Thuram und Zielinski verwandeln San-Siro-Verzweiflung in Jubel: Inter schlägt Fiorentina 2:1

MAILAND — Inter Mailand hat einen Mittag, der ihm zu entgleiten drohte, in einen der prägenden Nachmittage dieser Serie-A-Saison verwandelt: Mit zwei Toren in der Nachspielzeit schlug Inter am Sonntag im San Siro die Fiorentina mit 2:1. Dies ist das Ergebnis der Partie, die in der Abendausgabe vom 24. Oktober 2026 als Vorschau behandelt wurde. Was als Duell zwischen noch ungeschlagenen Tabellenführern in spe und einer Mannschaft angekündigt worden war, die erst ihren zweiten Ligasieg suchte, wurde am Ende eine Geschichte über Nerven und die Grausamkeit der letzten Minuten.
90 Minuten lang gehörte das Drehbuch der Fiorentina. Die sieben Minuten danach gehörten allein Marcus Thuram und Piotr Zielinski.
Die Gäste führten durch Álex Jiménez in der 65. Minute: ein Distanzschuss in den Winkel, der Inter auf die Verliererstraße brachte, obwohl die Gastgeber das Spiel weitgehend kontrolliert hatten. Inter hatte die erste Halbzeit dominiert, ohne an David de Gea vorbeizukommen: Der Spanier lenkte einen Kopfball von Francesco Pio Esposito mit den Fingerspitzen ab und parierte einen wuchtigen Schuss von Thuram aus spitzem Winkel. Nach der Pause wehrte De Gea einen weiteren scharfen Thuram-Versuch über die Latte ab — und trotzdem traf zuerst die Fiorentina.
Jiménez, bedient von Nicolò Fagioli, überraschte Inter-Debütant Ivan Provedel im Tor mit einem kühnen Distanzschuss aus spitzem Winkel. Das veränderte die Stimmung im Stadion. San Siro, das einen routinierten Schritt zurück an die Spitze erwartet hatte, sah sich plötzlich mit der ersten Saisonniederlage in der Liga für die Mannschaft von Cristian Chivu konfrontiert, während die Fiorentina drei Punkte vor Augen hatte, die ihre junge Saison verwandelt hätten.

Stattdessen kam es in der Schlussphase zu einem Einbruch in umgekehrter Richtung. Inter drängte nach vorn, Carlos Augusto köpfte an die Oberkante der Latte, und De Gea verweigerte dem eingewechselten Petar Sucic den Ausgleich — doch der Durchbruch kam erst, als die Nachspielzeit bereits begonnen hatte. In der ersten Minute der Nachspielzeit schob Thuram, bedient von Andy Diouf nach einem feinen Spielzug durch die Mitte, mit links flach ins Eck ein. Der Ball rollte langsam ins Netz, doch die Wirkung war sofort da: ein Punkt gerettet, ein Stadion neu entflammt.
Und es blieb noch Zeit für mehr. Thuram, erneut die zentrale Figur, wurde im Strafraum von Víctor Valdepeñas festgehalten, und Schiedsrichter Maurizio Mariani entschied auf Elfmeter. Zielinski, in der 78. Minute eingewechselt, trat in der achten Minute der Nachspielzeit an und schoss in den Winkel — De Gea sprang in die richtige Ecke, konnte den Ball aber nicht erreichen. Von einem Rückstand in der 90. Minute zu einem Sieg in der 98.: Inter hatte eine Wende vollzogen, die die ganze Saison über wiederholt werden wird.
Das Ergebnis bringt Inter punktgleich mit Lazio an die Spitze der Serie A: beide stehen nach acht Spielen bei 22 Punkten. Nach Tordifferenz liegt Inter vorn — 23:10 Tore gegenüber 16:5 bei Lazio — bei jeweils sieben Siegen und einem Unentschieden. Das ist der Stand nach dem frühen Sonntagsspiel dieser Runde: Lazio war am Samstag mit einem 2:1-Heimsieg gegen Parma an die Spitze geklettert, und Inters Antwort folgte weniger als 24 Stunden später, beim Anstoß um 12:30 Uhr MEZ, 15:30 Uhr in Tiflis, am Sonntag im San Siro.
Für Chivu bot der Nachmittag zwei Lehren in einem Spiel. Seine Mannschaft erspielte sich die klareren Chancen, hielt die Fiorentina in der ersten Halbzeit weitgehend in der eigenen Hälfte fest und weigerte sich auch nach dem Rückstand, ein Unentschieden hinzunehmen. Doch sie zeigte auch, wie dünn der Grat sein kann, wenn ein Torhüter in Topform ist und ein einziger Qualitätsmoment gegen einen läuft. Inter brauchte seine beiden entscheidendsten späten Eingriffe der Saison, um zu Hause gegen eine Mannschaft aus der Abstiegszone keine Punkte zu lassen — und dass sie sie fand, sagt ebenso viel über ihre Mentalität aus wie über ihre Qualität.
Thurams Beitrag verdient eine klare Feststellung: Er erzielte den Ausgleich, er holte den Elfmeter heraus, und er war schon lange vor der Nachspielzeit Inters beharrlichste Bedrohung. Zielinskis Beitrag war bis zum entscheidenden Moment leiser — und dann absolut: ein Elfmeter, unter dem vollen Druck eines Stadions geschossen, das einen Sieger erwartete, dorthin platziert, wo selbst ein Torhüter, der in die richtige Ecke springt, ihn nicht erreichen konnte. Gemeinsam machten sie aus einem Punkt drei.

Für die Fiorentina ist die Niederlage gerade deshalb schmerzhaft, weil so viel vom Plan aufging. Die Mannschaft von Trainer Paolo Vanoli verteidigte diszipliniert, frustrierte Inter in einer torlosen ersten Halbzeit und setzte dann mit einem Moment echter Qualität die Führung. Allein De Geas Leistung hätte einen Punkt verdient, und 25 Minuten nach dem Tor von Jiménez sahen die Gäste so aus, als könnten sie den Vorsprung halten. Stattdessen verlassen sie Mailand weiterhin mit vier Punkten aus acht Spielen — ein Sieg, ein Unentschieden, sechs Niederlagen — auf Platz 18 und damit weiterhin in der Abstiegszone. Ihre Sieglosserie in der Liga erstreckt sich auf vier Spiele, und die Suche nach dem zweiten Ligasieg, die schon die Diskussion vor dem Spiel geprägt hatte, geht weiter.
Nach dem Schlusspfiff betrug der Unterschied sieben Minuten. Jiménez hatte die Fiorentina in Führung gebracht. Thuram nahm sie ihr wieder. Zielinski machte den Sack zu. Inter steht punktgleich an der Spitze, die Fiorentina sucht weiter — und eine Partie, die am Vorabend noch als Vorschau angekündigt worden war, lieferte ein Ende, das sich niemand im Voraus hätte ausdenken können.
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